Berlin, 8. Juni 2023 – Wie opferorientiert ist Polizeiarbeit? Wie kann man Opfer ins Zentrum der Polizeiarbeit stellen? – Darum drehte sich alles am zweiten Tag der Jahreskonferenz von Victim Support Europe (VSE) in Berlin.
„Es wird zu viel über Opfer geredet und nicht mit Opfern“, sagte VSE-Präsidentin Rosa Jansen in ihrer Eröffnungsrede. Jochen Kopelke, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) bestätigte: „Unsere Polizistinnen und Polizisten haben einen unfassbar hohen Drang, Verbrecher zu fangen. Dadurch fällt es ihnen manchmal sehr schwer, sich zusätzlich in die Rolle des Opfers hineinzuversetzen.“ Den geringsten Anteil bei den Ausbildungsinhalten bei der Polizei nehme die Perspektive der Opfer ein. Aber langsam bewege sich da etwas, so Kopelke.
„Polizeibeamte müssen wissen, was Opfer durchmachen, um mit Einfühlungsvermögen reagieren zu können“, sagte John Letteney, Präsident der International Association of Chiefs of Police (IACP) aus den USA. Er stellte die Kampagne vor, die das Ziel habe, das Vertrauen zwischen der Gesellschaft und der Polizei zu stärken. IACP trainiere Polizeibeamte darin, mit traumatisierten Opfern umzugehen.
Staci Beers, Spezialistin für die Arbeit mit Kriminalitätsopfern beim amerikanischen FBI, stellte neue Ansätze zur Planung und Vorbereitung der Opferunterstützung vor. Beispielsweise setze das FBI mittlerweile Hunde ein, um das Stresslevel von Opfern zu senken. „Wir machen das beispielsweise auch bei Kindern. Wenn Erwachsene in Uniform mit Opfern sprechen, löst das einen gewissen Stress aus. Wenn Hunde dabei sind, reduziert das den Stress. Mein Hund Wally ist ein Game-Changer, das habe ich oft erlebt“, sagt Beers. „Wir sind in Amerika die erste Organisation, die Hunde einsetzt. Wir sind hier richtige Pioniere.“
Zwei Worte fielen immer wieder am zweiten Konferenztag: Vernetzung und Zusammenarbeit. Im Sitzungssaal am Alexanderplatz stellten sich Yong Woo Lee und Hak Seok Kim vor, Präsident und Vize-Präsident von Victim Support Asia. Levent Altan, Geschäftsführer von Victim Support Europe, sprach von einer „wichtigen Partnerschaft“: „Wir lernen von euch, ihr lernt von uns!“
Darum geht es bei der #VSEAC2023
Die VSE-Konferenz ist eine der größten und wichtigsten Veranstaltungen im Bereich der Opferhilfe weltweit. Veranstalter der Tagung ist Victim Support Europe (VSE), der Dachverband der europäischen Opferhilfeorganisationen, Gastgeber ist der WEISSE RING, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer. Die VSE-Konferenz findet einmal jährlich statt, zuletzt war sie im Jahr 2010 in Deutschland.
Am Freitag wird die Konferenz fortgesetzt. Das Programm beginnt morgens mit Vorträgen und Diskussionen, nachmittags finden verschiedene ergänzende Workshops statt. Mehr als 300 Opferschützerinnen und Opferschützer sind in Berlin zu Gast.
Der Besuch der Konferenz ist auch tageweise möglich. Die Programmübersicht und weitere wichtige Informationen wie beispielsweise Eintrittspreise finden sich auf der Veranstaltungswebsite.
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