Normalerweise stellen wir in der Rubrik „Ehrensache“ Ehrenamtliche vor – diesmal machen wir aus gutem Grund eine Ausnahme: Marion Kollmann arbeitet seit 45 Jahren hauptamtlich beim WEISSEN RING. Hier blickt die Buchhalterin zurück auf die Gründungszeit unter Eduard Zimmermann – und wie sich der Verein verändert hat.
Wie kam es dazu, dass Sie 1978 beim WEISSEN RING eingestiegen sind? Wie haben Sie erfahren, dass es den damals noch sehr jungen Verein überhaupt gibt?
Nach meiner Ausbildung zum Bürokaufmann (damalige Bezeichnung) sah ich in der Allgemeinen Zeitung in Mainz eine sehr kleine, eng geschriebene Stellenanzeige des WEISSEN RINGS. Es wurde Verstärkung für das Büroteam gesucht. Ich entschied spontan, einfach einmal anzurufen. Der Verein war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.
Erinnern Sie sich noch an den ersten Tag beim WEISSEN RING? Welchen Eindruck hatten Sie?
Oh ja, noch sehr gut. Zunächst waren damals in den 1970er-Jahren alleine schon die hellen Büroräume in Mainz-Finthen für mich beeindruckend. Genauso beeindruckend waren aber auch die Berge von Dokumenten, die auf den Schreibtischen lagen. In Erinnerung ist mir auch die rote elektrische (!) Schreibmaschine geblieben, die für mich der Knaller war.
Wo und in welcher Funktion haben Sie gearbeitet? Hat sich Ihr Arbeitsplatz im Laufe der Jahre verändert?
Funktionen als solche gab es zunächst nicht. Es galt, die Berge von Post zu sortieren und die wichtigsten bzw. eiligsten Vorgänge abzuarbeiten. Dazu gehörte auch die Bearbeitung der Mengen von Kontoauszügen. Im Laufe der Jahre sind Buchhaltungsaufgaben mein Arbeitsgebiet geworden.
Ihre damaligen hauptamtlichen Kollegen und Kolleginnen oder die Gründungsmitglieder, was waren das für Menschen? Was trieb sie an?
Meine einzige Kollegin Elke Funke arbeitete zuvor in der DKF (Deutsche Kriminalfachredaktion) von Gründungsmitglied Eduard Zimmermann. Elke Funke wurde von ihm für den Verein abgeworben und sollte „da mal machen“. Der dritte im Bunde, Geschäftsführer Helmar Schmitz von Hülst, sichtete u. a. die Post, bereitete die verschiedenen Stapel vor und arbeitete zusammen mit uns das Ganze nach und nach ab. Mit der Zeit wurde der Verein immer professioneller. Aufgrund des explosionshaften Wachstums des Vereins war dies aber auch unumgänglich.
Welches Ereignis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben und wieso?
Oh, da gibt es mehrere. Zum Beispiel die jährlichen Mitgliederversammlungen (heute Bundesdelegiertenversammlung). Das Kennenlernen und der Austausch mit der vergleichsweise „Handvoll an Ehrenamtlichen“. Die Gespräche am runden Tisch mit den Gründungsmitgliedern waren für mich als junger Mensch sehr beeindruckend.
Im Rückblick auf bisher 45 Jahre beim WEISSEN RING: Vermissen Sie etwas aus der „guten alten Zeit“?
Ja, für mich, im Rückblick gesehen, war es eindeutig eine gute Zeit.
Apropos vermissen: Welcher Promi fehlt Ihrer Meinung nach noch als Botschafter des WEISSEN RING?
Das ist ein breites Feld. Ich bin da sehr sachbezogen und fand z. B. die Kampagne mit den Tatort-Kommissaren sehr gelungen und ansprechend. Ein bestimmter Promi fällt mir nicht ein, aber eine bekannte Person aus dem engeren Netzwerk wäre schon schön.
Der Verein war vor allem in der Anfangszeit ja stark verknüpft mit Aktenzeichen xy: ungelöst. Haben Sie die Sendung früher gesehen – schalten Sie heute ein?
XY war zu meiner Jugendzeit Kult. Wie viele andere Kinder wurde ich ins Bett geschickt, wenn „Ede“ kam. Aber nach ein paar Mal heimlich „neben der Tür stehen und schaudernd mithorchen“ verlor ich das Interesse daran. Später, zu Beginn meiner Tätigkeit, war es für mich schon ein „ehrfürchtiges“ Gefühl, Eduard „Ede“ Zimmermann zu sehen und auch noch mit ihm zusammenzuarbeiten. Seitdem lief und läuft XY bei mir wieder.
Aktuell gibt es viele „True-crime-Formate“ im Fernsehen und Internet, die echte Kriminalfälle nacherzählen. Dabei geht es anders als bei Aktenzeichen nicht um Aufklärung, sondern um Unterhaltung. Was halten Sie davon?
Ehrlich gesagt: gar nichts. Das ist für meinen Geschmack zu gestellt und reißerisch. Die Formate vom MDR und mittlerweile auch vom SWR finde ich in Ordnung.
Vereinssitz ist ja in Mainz. Unseren Informationen zufolge wurden Sie dort kürzlich mit einem Fastnachtsorden gesichtet. Hand aufs Herz: Sind Sie Fastnachterin?
Nicht mehr so wie früher; ich war lange Jahre aktiv in einem Fastnachts-Verein. Mitreißen lasse ich mich aber schon noch gerne.
In welchem Kostüm werden wir Sie 2024 sehen?
Gute Frage – das werde ich wieder spontan entscheiden.
Was ist Ihr Tipp oder Rat für Kolleginnen und Kollegen, die heute beim WEISSEN RING anfangen?
Wenn ich dies gefragt werde, kommt mir immer wieder der gleiche Satz in den Sinn: Gemeinsam für die Sache brennen, interessiert sein an Themen und Projekten des Vereins, aber auch an abteilungsübergreifenden Arbeitsabläufen in der Verwaltung.
Nina Lenhardt, Christian Ahlers