Dortmund/Mainz, 8. März 2023 – Im Februar 2021 machte der WEISSE RING Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter aus dem Hochsauerlandkreis öffentlich und erstattete Strafanzeige gegen den Mann. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Arnsberg Anklage gegen den früheren Polizisten und späteren ehrenamtlichen Außenstellenleiter des WEISSEN RINGS erhoben. Der Mann soll eine Frau, die sich hilfesuchend an den WEISSEN RING gewandt hatte, sexuell genötigt und vergewaltigt haben. Im Fall einer weiteren Frau werfen ihm die Ermittler sexuelle Belästigung vor. In sieben weiteren Fällen wurden die Ermittlungen eingestellt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft am 8. März auf Nachfrage des WEISSEN RINGS.
„Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die schweren Vorwürfe jetzt gerichtlich aufgearbeitet werden sollen“, sagt Klaus Neidhardt, Vorsitzender des WEISSEN RINGS im Landesverband NRW/Westfalen-Lippe. „Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir, dass dies nach Sexualdelikten nur sehr selten der Fall ist, was viele Betroffene als zusätzliche Belastung oder sogar als zweite Viktimisierung empfinden.“
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2021 hatte der Landesverband den Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung von sämtlichen Aufgaben entbunden. „Unabhängig von einer strafrechtlichen Bewertung durch die Justiz hat der Außenstellenleiter aus Sicht des WEISSEN RINGS massiv gegen den Verhaltenskodex des Vereins und gegen die Standards der Opferbetreuung verstoßen“, hieß es damals in der Presseerklärung des Vereins. „Der ehemalige Mitarbeiter hat dem Verein und dessen Ansehen in der Öffentlichkeit schweren Schaden zugefügt“, sagt Neidhardt. „Deshalb haben auch wir selbst großes Interesse an der juristischen Aufarbeitung der Vorgänge.“
„Der WEISSE RING steht an der Seite der Opfer, das gilt selbstverständlich auch in diesem Fall“, erklärt Petra Klein, stellvertretende Bundesvorsitzende des Vereins. Klein hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2021 die Betreuung einer Hotline übernommen, über die sich potenziell betroffene Frauen an den WEISSEN RING wenden können. Die Hotline ist weiterhin unter der Telefonnummer 0151/55164597 zu erreichen.
„Die Vorwürfe haben mich erschüttert“, sagt Klein, „ebenso wie die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ganz Deutschland.“ Klein, die selbst als Leiterin der Außenstelle Oldenburg (Niedersachsen) seit vielen Jahren Kriminalitätsopfer betreut, betont: „Fast 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten jeden Tag vor Ort engagierte Arbeit für den Opferschutz. Sie setzen sich in ihrer Freizeit und unentgeltlich mit oft sehr belastenden Erlebnissen auseinander und helfen jedes Jahr einer fünfstelligen Zahl an Kriminalitätsopfern.“
Der WEISSE RING hat direkt nach Veröffentlichung der Missbrauchsvorwürfe im Hochsauerlandkreis eine Internetseite eingerichtet, auf der er die Vorgänge mit größtmöglicher Transparenz aufbereitet hat. Die Seite wurde und wird seither regelmäßig aktualisiert. Wegen des laufenden Verfahrens wird sich der Verein darüber hinaus nicht weiter zum Fall äußern.
Die Internetseite mit den Hintergründen zu den Vorwürfen findet sich hier: www.weisser-ring.de/hsk