Benedikt Wemmer aus Münster

„Rücksicht nehmen auf die private Situation von jungen Leuten“

Benedikt Wemmer ist neuer Vertreter der Jungen Mitarbeiter. Im Interview erklärt er, wie die Stimmung unter den „JuMas“ ist und wann es ein Vorteil ist, wenn Ansprechpartner in ähnlichem Alter zur Verfügung stehen.

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Foto: Christian Ahlers

Benedikt Wemmer ist bei der Bundesdelegiertenversammlung zum Vertreter der „Jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (JuMas)“ in den Bundesvorstand des WEISSEN RINGS gewählt worden. Ziel der „JuMas“ ist es, junge Menschen einerseits über die Hilfsangebote des Vereins zu informieren und andererseits für das Ehrenamt zu begeistern. Der 32 Jahre alte Wemmer ist seit 2013 Mitarbeiter der Außenstelle in Münster. Hauptberuflich arbeitet der Jurist als Berater im Bereich Zoll- und Außenwirtschaftsrecht. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

Wie kamen Sie zum WEISSEN RING?
Während meines Studiums habe ich nach einem Ehrenamt gesucht, in dem ich mich weiterentwickeln kann, und bin über eine Freiwilligenagentur auf den Verein aufmerksam geworden. Mir hat beim WEISSEN RING der soziale Aspekt gefallen, dass man sich für die Menschen engagiert. Das finde ich bis heute erfüllend. Anfangs habe ich vor allem Opferfälle begleitet, in den letzten Jahren war ich zunehmend in den Bereichen Prävention und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Das Ehrenamt ist für mich auch ein guter Ausgleich zum Job.

Warum haben Sie sich zur Wahl als Vertreter der „Jungen Mitarbeiter“ im Bundesvorstand aufstellen lassen?
Ich finde es wichtig, dass auch die „Jungen Mitarbeiter“ eine Stimme im Bundesvorstand haben, deshalb habe ich für den Posten kandidiert. Zuletzt hat Dr. Carina Agel unsere Themen in den Bundesvorstand getragen und uns dorthin vernetzt, das möchte ich künftig fortführen. 

Wie ist die Stimmung unter den jungen Leuten aktuell?
Zurzeit ist sie ganz gut. Wegen der Pandemie war die Arbeit an vielen Stellen nur eingeschränkt möglich, zum Beispiel konnten wir Kampagnen nicht umsetzen. Jetzt aber finden sich regional wieder Gruppen zusammen, und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit unseren Themen und Aktionen wieder durchstarten können.

Der Großteil der Menschen, die sich hilfesuchend an den WEISSEN RING wenden, ist zwischen 21 und 40 Jahre alt. Wie sinnvoll ist es, dass Ansprechpartner in ähnlichem Alter zur Verfügung stehen?
Das kommt stark auf das Delikt an: Wenn es zum Beispiel um Straftaten in den sozialen Medien geht, dann kann es für jüngere Betroffene hilfreich sein, wenn der Ansprechpartner ihre Lebenswelt kennt und ein Verständnis dafür hat, wie die digitale Welt funktioniert – dass man sich nicht einfach bei Facebook, Instagram und Co. abmeldet und die Sache damit erledigt ist. In anderen Fällen kann es aber besser sein, von jemandem betreut zu werden, der oder die mehr Lebenserfahrung hat.

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Wie sehen Sie das Miteinander der jüngeren und älteren Ehrenamtlichen im Verein?
Viele Ältere haben vielleicht das Gefühl: Jetzt kommen die jungen Wilden und finden alles Bisherige schlecht. Das stimmt nicht. Es geht uns „Jungen Mitarbeitern“ nicht darum, dass in den Außenstellen nur noch junge Leute sitzen,wir profitieren ja von den erfahreneren Ehrenamtlichen. Viel besser ist ein guter Mix, wenn wir Männer, Frauen, verschiedene Alters- und Berufsgruppen und so weiter haben, so dass wir möglichst vielfältige Außenstellen haben. Davon profitieren letztlich auch die Opfer.

Was braucht es, damit sich mehr junge Menschen im Verein engagieren?
Es ist heutzutage schwieriger, junge Menschen für ein Ehren­amt zu begeistern, vor allem weil die beruflichen Anforderungen gestiegen sind. Aber der WEISSE RING bietet auch die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln und Menschen in einer herausfordernden Lebenssituation eine echte Hilfe zu sein. Als Erstes müssen wir eine gewisse Bekanntheit bei diesen Menschen erreichen. Und als Zweites muss das Ehrenamt Rücksicht nehmen auf die private Situation von jungen Leuten: Wenn zum Beispiel eine Außenstelle ihr monatliches Treffen vormittags um 10 Uhr macht, ist das das für Studierende oder Berufstätige oftmals schwer einzurichten.

Bundesvorsitzender Dr. Liesching: Bei ihm halten sich Ernsthaftigkeit und Humor in Balance

Der neue Bundesvorsitzende Dr. Patrick Liesching hat nach der Wahl in seiner ersten Rede gesagt: „Die Jungen sind unsere Zukunft“, man solle in sie investieren. Wie beurteilen Sie das?
Das war ein Novum, dass sich ein Bundesvorsitzender direkt am Wahltag hinstellt und das so klar formuliert. Das ist uns allen extrem positiv aufgefallen. Wenn wir bestehende Mechanismen und Strukturen im Verein hinterfragen und das jetzt zum Vorstandsthema wird, stimmt mich das sehr positiv, dass wir hier gemeinsam einen guten Weg gehen werden.

Nina Lenhardt